Mitten ins Herz
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| Quelle: Natascha Friesen Fotografie |
Nach einer Woche vermisst man die
Kinder im Projekt wirklich sehr. Sie bekommen mit, dass wir wieder da sind. Ich
bin kurz in der Küche und höre lautes Geschreie: „Nathale! Nathale!“ Es sind
„meine“ wundervollen Kinder. Ich gehe raus und das Geschrei wird lauter. Ich
kann es kaum erwarten und werde schneller. Sie springen auf mich und umarmen
mich. „Nathale. Nda kuzowa quambiri!“ (Natalie, ich habe dich so sehr
vermisst). Ach je, wie ich sie vermisst habe.
Abends gehen wir in die
Kinderhäuser und beten mit den Kindern bevor sie schlafen gehen. Es ist immer
wieder schön zu sehen, wie gern sie es tun. Eines Abends kommt ein Mädchen zu
mir: alle, die dieses Kind kennen, fassen sich an den Kopf und müssen lachen,
wenn sie über Joy (Name geändert) nachdenken.
Sie scheint manchmal sehr neben der Spur zu sein, ist sich dessen nicht bewusst
und genau das macht sie so zuckersüß. Sie zeigt auf ihr Bett und fragt mich:
„Nathale. Ukufuna kugona in my kama? I also have Moschkitonet.“ (Natalie, willst du heute Nacht mit mir im
Bett schlafen? Ich habe sogar ein Moskitonetz). Sie zeigt ganz stolz auf
ihr neues Moskitonetz und guckt mich mit ihren riesigen Augen ganz
erwartungsvoll an. Joy ist ganz stolz, ein nicht kaputtes Moskitonetz am Bett
hängen zu haben, da Malawier etwas Probleme haben, achtsam mit ihren Netzen
umzugehen. Natürlich konnte ich nicht „Nein“ sagen. Ich spiele bis spät in den
Abend Kartenspiele mit ihnen und erzähle ihnen Gute Nacht Geschichten mit
Bilderbüchern. Sie kennen sowas nicht und kriegen nie genug von den
Geschichten. Irgendwann werden alle Augen schwerer und sie fallen schließlich
in den Schlaf. Am nächsten Morgen wach ich auf und ganz dicht an mir entdecke
ich ein Gesicht mit dem wohl breitesten Lächeln der Weltgeschichte. Das Lächeln
hätte ins Guinness Buch der Rekorde kommen müssen. Ich habe so ein Lächeln noch
nie zuvor gesehen. Es war gigantisch. „Nathale, good morning!“, sagt die Kleine
ganz stolz. Ich fange direkt an zu lachen. Ich will nicht wissen, wie lange sie
im Bett gewartet hat, bis ich aufgewacht bin.
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| Quelle: Natascha Friesen Fotografie |
Comedyshow nicht nötig! MALO A MCHEREZO Kinder
übernehmen
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| Quelle: Natascha Friesen Fotografie |
Sammy (9 Jahre alt) sieht
mich in der Bibliothek mit einer Schülerin putzen. Er ist schockiert und fragt:
“Natalie. Du putzt hier jeden Tag. Warum?“ Ich antworte ihm, dass ich putzen
angeblich liebe. Wenn ich schlafe, müsse ich sogar an putzen denken. (Sammy kam zufällig 3 Wochen in Folge nur montagnachmittags
vorbei und sieht mich mit Grace, einer Schülerin, putzen. Die Sache ist: es
wird nur montags geputzt und ein Schüler muss 3 Wochen lang helfen. Sammy weiß
das natürlich nicht und denkt wir putzen jeden Tag zusammen). Er völlig
außer sich: „Du bist verrückt. Du putzt und du putzt. Immer putzen! Jeden Tag.
Wahrscheinlich ist dein Zimmer auch voller Putzeimer und Lappen. Und warum
putzt Grace jeden Tag mit dir?“ Ich daraufhin: „Grace ist eine sehr gute
Schülerin, deshalb darf sie mir immer beim Putzen helfen. Später wenn du ein
guter Schüler bist, dann darfst du mir auch helfen!“ Er fängt an zu lachen:
„Ich glaube, ich werde dann niemals ein guter Schüler sein. Ich mag nicht putzen.“
Dann fällt ihm plötzlich ein, dass Grace doch keine gute Schülerin ist, weil
sie angeblich immer bei Kämpfen beteiligt sei. (Da sollte ich hinzufügen: Grace ist ca. 17 Jahre alt und eine sehr
zurückhaltende Person, die immer ein Lächeln auf den Lippen hat. Sammy liebt es,
Geschichten zu erfinden). Sie kämpft angeblich immer mit Chinesen, sagt er.
(Sammy möchte niemals nach China, weil er
denkt, dass die Chinesen jeden Tag Karate kämpfen. Wenn er in der Stadt ist,
laufen manchmal Filme. Er schaut dann durch das Fenster, oder durch ein nicht
sauber zugemauertes Haus und meistens hat er nur Karatefilme gesehen. Er denkt,
dass Chackie Chan der Präsident ist und dass alle Chinesen täglich Karate
praktizieren). Er ist von seiner Meinung überzeugt. Ich krieg ihn davon
nicht los. Er hat es schließlich mit seinen eigenen Augen in Filmen gesehen. Es
ist immer interessant mit welchen Augen die Kinder die Welt sehen.
An einem anderen Tag sieht Daniel
(17 Jahre) im Buch einen weißen Menschen, wie er Tabak trocknet. Er kommt zu
mir und fragt: „Machen sowas auch weiße Menschen?“ Ich erkläre ihn, dass auch
in Deutschland Tabak verkauft wird. Er fängt laut an zu lachen und freut sich:
„Hahaha und ich dachte, nur wir Farbigen machen sowas. Ihr Weiße kennt auch
sowas.“ (Die Malawier haben ein sehr gutes Bild von uns „weißen“ Menschen. So
ging zum Beispiel in manchen Teilen Malawis das Gerücht rum, dass wir Weiße zum
Beispiel keinen Stuhlgang haben. Andere dachten,
dass wir Engel sind und es gibt Gerüchte, dass Malawier deshalb schon mal Touristen
ihr Kind in die Hand gedrückt haben. Und es bestand sogar auch mal das Gerücht,
dass Weiße nur im Wasser leben und in der Oberfläche keine Luft bekommen.
Deshalb musste ich bei diesem Satz von Daniel lachen. Ganz typisch malawisch dachte
er auch, dass wir niemals auf solche Ideen kommen, Tabak zu verkaufen.
Begeisterung, die keine Grenzen kennt: Afrikas
Schönheit
Es gibt Augenblicke bei
denen man inne halten muss. Man weiß nicht, wohin mit all den Eindrücken, die
man gewinnt. Man weiß nicht, ob man vor Freude weinen soll, oder vor Freude in
die Luft springen soll. Da darf man das Atmen nicht vergessen! Die Natur ist
das, wofür ich vollkommen zu begeistern bin. Ich mag es sehr rumzureisen, was
mich jedoch hier erwartete, hätte ich nicht für denkbar gehalten. Ich habe
bereits von den Naturerlebnissen im Dorf berichtet, jedoch konnte ich nicht
ahnen, was Afrika noch mit sich bringt. Ich habe mir in diesem Moment
gewünscht, all meine Freunde und Familie einfliegen zu lassen. Nur für diesen
einen Moment. Ich bin völlig außer mir vor Enthusiasmus und vor Staunen. Wie
schafft man nur sowas gewaltiges zu erfinden? Woher kommt all diese
Gestaltungskraft? Woher so eine majestätische Phantasie? Ich habe mich nur
gefragt, wie man all dies sehen kann und trotzdem nicht glaubt? Ich kann euch
die schönsten Bilder zeigen, die wundervollsten Worte benutzen; jedoch wird es
euch niemals das geben, was ich mit eigenen Augen gesehen habe. Um das
vollkommen nachzuvollziehen, müsst ihr es selbst erleben. Ich möchte euch
dennoch einen kleinen Einblick davon geben, nur ein Hauch eurer
Vorstellungskraft anregen:
Es ist 5 Uhr morgens. Es ist
trist, es ist kalt und es ist dunkel. Es ist still, nur das Wehen des Windes
ist zu hören. Die ersten Vögel wachen auf und erfreuen sich des neuen Tages.
Der Boden ist kalt, alles Leben auf der Erde liegt noch im Land der Träume.
Selbst die fleißigen Ameisen ruhen sich aus. Auf dem Weg geht mit uns die Sonne
auf. Sie zeigt sich in all ihren einfließenden Farben und in all ihrer Pracht.
Vor uns liegt eine weitgehende Aussicht der malawischen Landschaft. Der Nebel
deckt das Land wie ein weißes Seidentuch. Es schwirrt nicht herum, es liegt
ganz sanft auf der Erde. Nur die Berge strecken sich aus und schauen über dem
Nebel hinaus, was sich wohl an diesem neuen Tag tut. Der Ort, an dem wir leben,
liegt 1100 Meter über den Meeresspiegel. Jetzt befinden wir uns jedoch in 1400 Meter
Höhe. Könnt ihr euch vorstellen, was für ein Gefühl es ist, durch die Wolken
des Himmels zu laufen? Sie befinden sich direkt vor einem. Es ist
unbeschreiblich schön.
Vor einigen Wochen sind wir
als Freiwillige außer Landes gefahren. Unser Ziel: die Viktoriafälle in
Livingstone, Sambia. Bei den Wasserfällen angekommen lässt sich auf einer
Brücke zwischen Sambia und Simbabwe bereits erahnen, was uns erwartet. Der
erste Blick in Nähe der Fälle lässt alle vor Erstaunen und Fassungslosigkeit
still werden. Was vor einem liegt kann aus keiner Menschenhand entstanden sein.
Es ist kolossal, gigantisch, großartig, wunderschön, prächtig,… Welche Worte
soll ich benutzen, um euch näher zu bringen, was ich gesehen habe? So groß habe
ich mir das alles bei weitem nicht vorgestellt. Ich höre nicht das Rauschen des
Wassers, es ist vielmehr ein Strömen von Wassermengen; Quellen und Meere.
Als
hätten sich alle Wunder der Welt auf einem Fleck getroffen, um sich in ihrer
Schönheit zu präsentieren. Der Dunst steigt auf und fällt auf uns nieder. Ich
weiß nicht einmal, ob man das Dunst nennen kann. Es sind eher die Regenströme
eines Gewitters. Weniger als eine Minute reicht absolut aus, um dich aussehen
zu lassen, als seist du in den Fluss gesprungen. Kein Fleck bleibt trocken.
Mitten in dieser Schönheit von Dunst; atemberaubende, gigantisch große und
weite Wasserfälle, die stärker als jede Menschenhand ist; prachtvolle Farben
eines Malers; entdecke ich einen Regenbogen: Zeichen der Gnade und Hoffnung.
Wie auf einem Schaubild zeigt es sich. Dann der große Scheinwerfer in diesem
Bild: die Sonne. Sie hebt die Geschmacksvollendung der Schönheit hervor. Und
ich habe das große Privileg mitten in diesem Geschehen zu sehen. Ein Teil
dieses Wunschbildes zu sein. Ich fühle mich absolut nicht
würdig daran
teilzuhaben, aber da gibt es wohl jemand, der anders denkt. Er
stellt mich mitten in dieses Geschehen und findet es perfekt. Das Schöne an
diesem Ort ist, dass es so unberührt ist. Es wurde nicht verschönert oder
optimiert. Es ist bereits perfekt.
Durch dieses Naturerlebnis entsteht auf der
anderen Seite was Neues. Durch all die Gischt des Wasserfalls entsteht ein
Regenwald. Ich laufe durch und es fühlt sich so unreal an. All diese schönen
Pflanzen, all die verschieden konstruierten Bäume, die frische und feuchte Luft
und all die verschiedenen Tiere im Ort der Unberührtheit. Auch hier kann ich
nichts Anderes sagen als: „es ist makellos!“ Als wir dann abends den
Sonnenuntergang bewundern, sind der Tag und das Bild vollendet. Mit den Herden
von Affen gemeinsam staunen wir rückblickend über all die
Wunder der Natur. Es ist das Schönste was ich je in meinem Leben gesehen habe. Da
muss wohl ein göttlicher Gedanke dahinter gewesen sein.
Durch dieses Naturerlebnis entsteht auf der
anderen Seite was Neues. Durch all die Gischt des Wasserfalls entsteht ein
Regenwald. Ich laufe durch und es fühlt sich so unreal an. All diese schönen
Pflanzen, all die verschieden konstruierten Bäume, die frische und feuchte Luft
und all die verschiedenen Tiere im Ort der Unberührtheit. Auch hier kann ich
nichts Anderes sagen als: „es ist makellos!“ Als wir dann abends den
Sonnenuntergang bewundern, sind der Tag und das Bild vollendet. Mit den Herden
von Affen gemeinsam staunen wir rückblickend über all die
Wunder der Natur. Es ist das Schönste was ich je in meinem Leben gesehen habe. Da
muss wohl ein göttlicher Gedanke dahinter gewesen sein. 


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