Ein Ankommen im alten zu Hause
Ich steige aus dem
Flugzeug und ein Lächeln geht über meine Lippen. Malawi! Die Luft, die
Menschen, die atemberaubende Natur, alles scheint so vertraut und es hat sich
in meinem Gedächtnis vollkommen eingebrannt. Ich bin völlig überwältigt wieder
hier zu sein. Aufstehen im vertrauten Zimmer, mit demselben Lärm wie damals. Der
Hahn kräht, die Hühner gackern, der Affe möchte auch auf sich Aufmerksam machen
und zeigen, dass er wach ist, die Schweine grunzen und unser lieber Esel hat
das I A auch nicht verlernt. MALO A MCHEREZO- ein Ort der Geborgenheit für
Kinder, die eben diese Geborgenheit vorher nie erleben konnten. Es hat sich schon herum gesprochen. Natalie
ist wieder da. Aus der Ferne höre ich: „ Hey, Nchana!“ Nchana ist der Name den
mir die Kinder damals gegeben haben. Es heißt so viel wie „hübsches Mädchen“.
Ich weiß zwar bis heute nicht, wie sie auf den Namen kommen, aber ich habe mich
damit schon ein stückweit angefreundet. Lachende Kinder rennen mir entgegen.
Meine Güte, als wäre ich nie weg gewesen. Einige Tränen fließen über meine
Wangen. Ich habe die Kinder so sehr vermisst. Einige umarmen mich, andere
klettern auf meine Arme, andere auf meinen Rücken bis zur Schulter. Ich muss
lachen- sie sind schwerer geworden. Ich genieße den Moment. Ich muss nicht viel
sagen. Ich sehe die strahlenden Augen der Kinder. Es geht ihnen gut, man hat
sich gut um sie gekümmert. Auf dem Boden sitzen einige Teeny Mädels. Sie
glauben nicht, dass ich da bin. 2 Jahre sind vergangen. Mein Herz geht auf. Man
hat sich viel zu erzählen. Ich habe die älteren Waisen im Teeny- und
Jugendalter gefragt, ob sie geglaubt hätten, dass ich wieder komme, als ich es
ihnen damals versprochen hatte. Keiner hat es mir geglaubt. Menschen aus
Deutschland kommen, sie gehen wieder und kommen oftmals nie wieder. Sie kennen
es nicht anders. Die kleinen Kinder jedoch haben gesagt, dass sie immer
wussten, dass ich wieder kommen werde. Jetzt weiß ich umso mehr, was Jesus
damals meinte als er sagte, dass wir so werden sollen wie die Kinder. Sie haben
so einen großen Glauben. Ich finde, wir sollten uns das zum Vorbild nehmen.
1 Monat ist nun
fast vergangen und ich habe jetzt schon so viel erlebt und so viel für mich
mitgenommen. Es freut mich zu sehen, wie gut sich einige Kinder entwickelt
haben. Wie einige Mädchen zu Frauen wurden oder wie sich „schwierige“ Kinder zu
liebevollen Kindern verändert haben. Ich versuche, so viel Zeit wie möglich in
sie zu investieren und ihnen zu zeigen, wie wertvoll sie in meinen Augen sind.
Ich möchte euch eine Geschichte von einem Kind erzählen, damit ihr euch
stückweise vorstellen könnt, was einige Kinder durchgemacht haben und wo sie
wären, wenn sie heute nicht bei uns wären. Chisomo (Name geändert), 8 Jahre
alt, lebt zu Hause mit seiner Mutter. Irgendwann schmeißt seine Mutter ihn raus
und er muss auf der Straße leben. Getrieben von Hunger läuft er von Straße zu
Straße, auf der Suche nach etwas Essbarem. Auf der Straße überlebt man nur,
wenn man sich durchkämpft und sich stark zeigt. Irgendwann ist er so hungrig,
dass er wieder nach Hause geht und sich etwas zu essen nimmt. Seine Mutter
erwischt seinen Sohn und beschimpft ihn als Dieb. Sie fesselt Chisomo vor dem
Haus an Beinen und Händen und lässt ihn 3 Tage in der prallen Sonne ohne Essen
und Trinken liegen. Er kommt wieder auf die Straße, kämpft sich lange Zeit
durch und schließlich klopft Chisomo an der Tür von einem unsere Waisenhäuser
und fragt ob er etwas zu essen bekommt. Normalerweise werden nur Waisenkinder
bei uns aufgenommen, aber weil er von der Straße kommt und noch so jung ist,
wurde beschlossen, ihn ins Projekt aufzunehmen. Als die Mutter gefragt wurde,
ob wir Chisomo aufnehmen dürfen, sagte sie nur: „Take him. He´s unloveble!“
(„Nimmt ihn. Man kann ihn nicht lieben!“) Traurig, wenn man dem eigenen Kind
keine Liebe geben kann. So geht es vielen hier. Einige landen auf der Straße,
andere im Mülleimer und andere geraten an eine Mafia. Ein Großteil einer ganzen
Generation ist hier an AIDS verstorben. Viele Mütter sterben wegen mangelnder
medizinischer Versorgung bei der Geburt ihrer Kinder. Man sieht viele Omas, Opas
und Jugendliche mit ihren Kindern. Die Generation meiner Eltern ist weniger
vertreten.
In Deutschland
wurde ich oft gefragt, warum ich das alles mache. Schaut euch das Lächeln der
Waisenkinder an, dann versteht ihr vielleicht, was der Grund dafür ist! Vielen Dank für eure Unterstützung meine Lieben. Gottes
Segen euch.

