Sonntag, 6. September 2015

1. Rundbrief



Ein Ankommen im alten zu Hause

Ich steige aus dem Flugzeug und ein Lächeln geht über meine Lippen. Malawi! Die Luft, die Menschen, die atemberaubende Natur, alles scheint so vertraut und es hat sich in meinem Gedächtnis vollkommen eingebrannt. Ich bin völlig überwältigt wieder hier zu sein. Aufstehen im vertrauten Zimmer, mit demselben Lärm wie damals. Der Hahn kräht, die Hühner gackern, der Affe möchte auch auf sich Aufmerksam machen und zeigen, dass er wach ist, die Schweine grunzen und unser lieber Esel hat das I A auch nicht verlernt. MALO A MCHEREZO- ein Ort der Geborgenheit für Kinder, die eben diese Geborgenheit vorher nie erleben konnten.  Es hat sich schon herum gesprochen. Natalie ist wieder da. Aus der Ferne höre ich: „ Hey, Nchana!“ Nchana ist der Name den mir die Kinder damals gegeben haben. Es heißt so viel wie „hübsches Mädchen“. Ich weiß zwar bis heute nicht, wie sie auf den Namen kommen, aber ich habe mich damit schon ein stückweit angefreundet. Lachende Kinder rennen mir entgegen. Meine Güte, als wäre ich nie weg gewesen. Einige Tränen fließen über meine Wangen. Ich habe die Kinder so sehr vermisst. Einige umarmen mich, andere klettern auf meine Arme, andere auf meinen Rücken bis zur Schulter. Ich muss lachen- sie sind schwerer geworden. Ich genieße den Moment. Ich muss nicht viel sagen. Ich sehe die strahlenden Augen der Kinder. Es geht ihnen gut, man hat sich gut um sie gekümmert. Auf dem Boden sitzen einige Teeny Mädels. Sie glauben nicht, dass ich da bin. 2 Jahre sind vergangen. Mein Herz geht auf. Man hat sich viel zu erzählen. Ich habe die älteren Waisen im Teeny- und Jugendalter gefragt, ob sie geglaubt hätten, dass ich wieder komme, als ich es ihnen damals versprochen hatte. Keiner hat es mir geglaubt. Menschen aus Deutschland kommen, sie gehen wieder und kommen oftmals nie wieder. Sie kennen es nicht anders. Die kleinen Kinder jedoch haben gesagt, dass sie immer wussten, dass ich wieder kommen werde. Jetzt weiß ich umso mehr, was Jesus damals meinte als er sagte, dass wir so werden sollen wie die Kinder. Sie haben so einen großen Glauben. Ich finde, wir sollten uns das zum Vorbild nehmen.


1 Monat ist nun fast vergangen und ich habe jetzt schon so viel erlebt und so viel für mich mitgenommen. Es freut mich zu sehen, wie gut sich einige Kinder entwickelt haben. Wie einige Mädchen zu Frauen wurden oder wie sich „schwierige“ Kinder zu liebevollen Kindern verändert haben. Ich versuche, so viel Zeit wie möglich in sie zu investieren und ihnen zu zeigen, wie wertvoll sie in meinen Augen sind. Ich möchte euch eine Geschichte von einem Kind erzählen, damit ihr euch stückweise vorstellen könnt, was einige Kinder durchgemacht haben und wo sie wären, wenn sie heute nicht bei uns wären. Chisomo (Name geändert), 8 Jahre alt, lebt zu Hause mit seiner Mutter. Irgendwann schmeißt seine Mutter ihn raus und er muss auf der Straße leben. Getrieben von Hunger läuft er von Straße zu Straße, auf der Suche nach etwas Essbarem. Auf der Straße überlebt man nur, wenn man sich durchkämpft und sich stark zeigt. Irgendwann ist er so hungrig, dass er wieder nach Hause geht und sich etwas zu essen nimmt. Seine Mutter erwischt seinen Sohn und beschimpft ihn als Dieb. Sie fesselt Chisomo vor dem Haus an Beinen und Händen und lässt ihn 3 Tage in der prallen Sonne ohne Essen und Trinken liegen. Er kommt wieder auf die Straße, kämpft sich lange Zeit durch und schließlich klopft Chisomo an der Tür von einem unsere Waisenhäuser und fragt ob er etwas zu essen bekommt. Normalerweise werden nur Waisenkinder bei uns aufgenommen, aber weil er von der Straße kommt und noch so jung ist, wurde beschlossen, ihn ins Projekt aufzunehmen. Als die Mutter gefragt wurde, ob wir Chisomo aufnehmen dürfen, sagte sie nur: „Take him. He´s unloveble!“ („Nimmt ihn. Man kann ihn nicht lieben!“) Traurig, wenn man dem eigenen Kind keine Liebe geben kann. So geht es vielen hier. Einige landen auf der Straße, andere im Mülleimer und andere geraten an eine Mafia. Ein Großteil einer ganzen Generation ist hier an AIDS verstorben. Viele Mütter sterben wegen mangelnder medizinischer Versorgung bei der Geburt ihrer Kinder. Man sieht viele Omas, Opas und Jugendliche mit ihren Kindern. Die Generation meiner Eltern ist weniger vertreten.

In Deutschland wurde ich oft gefragt, warum ich das alles mache. Schaut euch das Lächeln der Waisenkinder an, dann versteht ihr vielleicht, was der Grund dafür ist! Vielen Dank für eure Unterstützung meine Lieben. Gottes Segen euch.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen